LMM bei PK, Scoring von Large Muscle Movements bei Patienten mit Morbus Parkinson - Eine retrospektive Studie

Project: Clinical studiesClinical Study (Thesis)

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Description

Large Muscle Group Movements (LMM) sind Bewegungen, die während des Schlafs auftreten. Zu beobachten sind diese bei Erkrankungen wie der pädiatrischen Schlafstörung „Restless Sleep Disorder“ (RSD), Narkolepsie oder der REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD). Bis vor kurzem war das Scoring dieser LMM nur durch die detaillierte Analyse von Video-Polysomnographie-Aufnahmen möglich. Deshalb entwickelte die International Restless Legs Syndrome Study Group (IRLSSG) Scoring-Kriterien, mithilfe deren LMM nur anhand von Polysomnographie Ableitungen beurteilt werden können. Diese Kriterien sind noch nicht im AASM Scoring Manual für Polysomnographien enthalten. Dabei werden definierte EMG-Ableitungen, EOG-Ableitungen, EEG-Ableitungen sowie das EKG berücksichtigt (Ferri et al., 2021).

Die Parkinsonkrankheit (PK) ist eine neurodegenerative Erkrankung, welche durch den Verlust von dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra des Mittelhirns sowie eine Akkumulation von Lewy-Körperchen in ebendiesen Neuronen, gekennzeichnet ist. Die Erkrankung betrifft vorwiegend ältere Menschen mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 50-60 Jahren und weist eine genetische Prädisposition sowie einen Zusammenhang mit Pestizidexposition auf. Die Leitsymptome der PK sind Akinesie, Rigor und Ruhetremor, wobei noch eine Vielzahl anderer Symptome auftreten kann. Diese lassen sich einteilen in motorische Symptome, kognitive Veränderungen, Verhaltensauffälligkeiten, sowie autonome Symptome, wobei die nicht-motorischen Symptome den motorischen Symptomen um Jahre vorausgehen können. Einige Symptome wurden explizit als Prodromi der RK beobachtet. Dazu zählen unter anderem Hyposmie, Depression, sowie die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) (Beitz, 2014). Die RBD ist eine Parasomnie mit intermittierendem Verlust der physiologischen Muskelatonie in der REM-Schlaf-Phase. Bei Patienten mit RBD treten in der REM-Schlafphase, welche auch als Traumphase bezeichnet wird, typischerweise Albträume auf, welche ausagiert werden. Dies passiert durch Vokalisieren, durch einfache Bewegungen wie Muskelzuckungen oder auch durch komplexe Bewegungen wie Treten oder Schlagen. Nach dem Aufwachen ist der Patient normalerweise sofort orientiert, erinnert sich aber nicht an die ausgeführten Bewegungen (Hu, 2020; Diaconu et al., 2021). Es wurde beobachtet, dass Schlafstörungen im Allgemeinen bei Patienten mit PD sehr häufig auftreten. Neben der RBD tritt auch Insomnie, Somnambulismus, sowie das Restless-Legs-Syndrom auf. Daraus resultiert ein vermehrtes Auftreten von Tagesschläfrigkeit bei Patienten mit PD (Stefani and Högl, 2020).

Die LMM-Scoring-Kriterien der IRLSSG wurden für Patienten mit RSD entwickelt und wurden in Studien bisher hauptsächlich an dieser Patientengruppe angewendet (De Meo et al., 2023; Aktan Suzgun et al., 2024; Mogavero et al., 2024). Außerhalb dieser Patientenkohorten sind bisher wenige Untersuchungen vorhanden, Erhebungen bei Patienten mit Parkinson-Krankheit fehlen bisher völlig.

Ziel dieser Studie ist die retrospektive Auswertung von LMM in bereits vorhandenen PSGs von Patienten mit PK.

Für diese retrospektive Analyse werden PSGs des Schlaflabors der Universitätsklinik für Neurologie aus den Jahren 2016-2024 herangezogen. Alle Patienten mit einer PK und einer PSG in diesem Zeitraum sollen in die Analyse miteinbezogen werden. Das minimale Rekrutierungsziel sind 25 Patienten. Hauptaugenmerk der Studie ist das Scoring von LMM in den nächtlichen Untersuchungen, da diese Analysen keinen Standard einer klinischen PSG darstellt, müssen allen in Frage kommenden Untersuchungen reanalysiert werden. Für das Scoring der LMM werden die Kriterien nach Ferri et al herangezogen. Diese Kriterien definieren LMM als Anstieg der Muskelaktivität in zumindest 2 Ableitungen. Die Amplitude dieses Anstiegs muss mindestens doppelt so groß sein wie die Amplitude der Hintergrundaktivität. Fällt die Aktivität wieder unter diese doppelte Amplitude zurück, definiert dies das Ende der LMM. Beim Erwachsenen wurde die Dauer von LMM zwischen 3 und 30 Sekunden festgelegt. Für das Scoring werden zwei EOG-Ableitung, das EMG von beiden Mm. tibiales anteriores, das EMG des Kinns, drei verschiedene EEG-Ableitungen, sowie das EKG berücksichtigt. Optional können außerdem die Körperposition, das EMG des M. flexor digitorum superficialis oder M. flexor digitorum profundus, das EMG von paravertebralen Muskeln oder das EMG des M. masseter verwendet werden. (Ferri et al., 2021) Zu beachten ist, dass Bewegungen, welche Kriterien von anderen im AASM enthaltenen Bewegungen erfüllen, wie etwa Bruxismus oder periodische Beinbewegungen im Schlaf, als solche gewertet werden und nicht als LMM gescort werden dürfen. Diese sind ohnehin in der Routinebewertung der PSG erfasst und werden nicht besonders gescort, d.h. dafür wird auf das vorhandene Scoring der klinischen Routine zurückgegriffen.

Um Einflussfaktoren auf das Auftreten und die Häufigkeit der LMM zu analysieren, werden folgende polysomnographische und klinische Daten aus dem PSG System und dem KIS extrahiert: Alter, Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, BMI, Medikation bei Untersuchung, Komorbiditäten, Schlafdauer, Einschlaflatenz, Schlafeffizienz, Schlafstadienverteilung, AHI, ODI, Zeit einer Sauerstoffsättigung < 90%, Arousalindex, die Dauer der PK, das Vorliegen einer RBD, sowie, falls vorhanden, Hoehn und Yahr Stadium, UPDRS-Score und MoCA oder MMSE. Alle Auswertungen werden an bereits abgeleiteten PSGs durchgeführt, es sind keine neuen Untersuchungen für diese Studie notwendig. Die Ergebnisse haben ausschließlich akademischen Wert, eine klinische Relevanz ist davon nicht gegeben.
Short titleLMM bei PK
StatusFinished
Effective start/end date01.02.202501.02.2026

Fields of science

  • 302052 Neurology