Description
Angesichts der sich vertiefenden multiplen Krisen des Gegenwartskapitalismus werden vermehrt Digitalisierung und Technologien als Lösung präsentiert und diskutiert. Dies folgt der genuin androzentrischen und technikdeterministische Annahme, soziale Probleme ließen sich technisch bearbeiten oder gar lösen. Dieser Technosolutionismus (Morozov 2013) gibt beispielsweise vor, dass die Klimakrise durch technischen Fortschritt bearbeitet werden könne, während Digitalisierungsprozesse und Technik jedoch nicht zuletzt (mit)verantwortlich für die Ausbeutung von Natur sind. Die eigentlichen Krisenursachen, die Unterordnung sozialer und ökologischer Grundlagen unter die Akkumulations- und Profitlogik (u.a. Fraser 2022), bleiben bei solchen Lösungsansätzen unangetastet.Ein aktuelles Beispiel eines technosolutionischen Projektes findet sich in den Versuchen der „twin green and digital transition“, der Verbindung der grünen und digitalen Wende als Lösung nicht nur der Klima-, sondern auch der ökonomischen Krise. Die Europäische Kommission setzt hier seit 2019 unter anderem auf Digitalisierung als Fix um die Klimakrise zu bewältigen (Kovacic et al. 2024). Dabei konstruiert die Europäische Union die digitale und grüne Wende als sich gegenseitig bedingend, unterstützend, aber auch als etwas Gegensätzliches. Diese Ungleichzeitigkeiten nimmt sich dieser Beitrag als Ausgangspunkt, um die Vorstellung der Twin Transition auf den Prüfstand zu stellen. Wir fragen danach, wie ein social imaginary der Twin Transition auf EU-Policy-Ebene konstruiert wird, inwiefern hier bestimmte Macht- und Herrschaftsstrukturen in den Diskursen und Prozessen reproduziert werden und was der Kern dessen, mit seinen Ambivalenzen und Widersprüchen ist.
Unter Rückgriff auf die Geschlechterforschung (Aulenbacher & Dammayr 2014; Dengler & Strunk 2018; Fraser 2022), die Feministische Technikforschung (Wajcman 1991; 2004) sowie Einsichten aus der Cultural Political Economy (Jessop und Sum 2010) untersuchen und konzeptualisieren wir diesen vermeintlichen Fix als eine Strategie von Rationalisierung und „genuin andro- und eurozentrische[n] ‚Problemverarbeitungsmuster[n]‘“ (Aulenbacher & Dammayr 2014).
Unsere Ergebnisse zeigen auf EU-Ebene, dass die Vorstellung der Twin Transition einer androzentrischen technosolutionistischen Logik folgt und grundlegende Widersprüche, die die eigentliche Krisenursache bilden, ebenso wie Macht und Herrschaftsverhältnisse unangetastet lassen. Sie reiht sich in Debatten um Ecomodernisation, erweitert um Vorstellungen von Smartness und digital Twins, ein. Dies interpretieren wir als eine Verengung des Lösungsdiskurses für die Klimakrise.
| Period | 02 Jul 2025 |
|---|---|
| Event title | ÖGS-Kongress |
| Event type | Conference |
| Conference number | 28 |
Fields of science
- 504 Sociology
- 509025 Technology studies
JKU Focus areas
- Digital Transformation
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Activities
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"Technik als Lösung sozialer Probleme? Feministische Perspektiven auf Technologien": Sektionsveranstaltung auf dem ÖGS Kongress "Das Klima der Gesellschaft" 2025
Activity: Participating in or organising an event › Organising a conference, workshop, ...
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Projects
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The Social Life of XG – Digital infrastructures and the reconfiguration of sovereignty and imagined communities
Project: Funded research › FWF - Austrian Science Fund